Werdegang eines Vestons

Byxx beaumode,

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Der Veston – das beste Kleid im Schrank des Mannes.

Ab Stange gekauft, sitzen die guten Stücke leider oft nicht ganz so toll wie gewünscht – ich will nun in diesem Beitrag zeigen, was es bedeutet, einen perfekt passenden Veston auf Mass zu schneidern.

 

Die Konstruktion des Schnittmusters ist anspruchsvoll und zeitaufwendig. Es lohnt sich, mit voller Konzentration dahinter zu gehen, da sich Fehler, die sich zu diesem Zeitpunkt einschleichen, durch die gesamte weitere Arbeit ziehen. In jedem Fall sollte ein Prototyp aus Moulure angefertigt werden, denn grosse Änderungen am definitiven Veston sind sehr schwierig vorzunehmen.

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Passt der Schnitt, kann er aus dem Stoff zugeschnitten werden. Ich verwendete bei diesem Modell einen Chevron (Fischgrat-Musterung) aus Kaschmir, Seide und Schurwolle. Da der Chevron Längsstreifen hat, musste ich beim Zuschnitt darauf achten, dass Teile, bei denen die Musterung weiterlaufen muss, richtig aufgelegt werden.

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Insgesamt besteht dieser Veston aus 59 Einzelteilen.

Alle zugeschnittenen Teile müssen bezeichnet, fixiert und gesichert werden.

 

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Die Abnäher sowie die Teilungsnähte werden geschlossen, damit die Taschen verarbeitet werden können. Damit diese während der weiteren Verarbeitung nicht aufklaffen, werden sie vorübergehend zugenäht.

Das wird auch in der Konfektion oft so gemacht – Taschen,  welche nur Atrappen zu sein scheinen, können oft mit einer spitzen Schere geöffnet werden – aber vorsichtig bitte! ;)

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Bei der Brusttasche musste ich daruf achten, dass die Musterung weiter läuft.

Im Brustbereich wird zur Verstärkung ein Plack aus Ross- und Wollhaareinlage eingearbeitet.

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Die Verarbeitung des Reverskragens war für mich der anspruchsvollste Arbeitsschritt.

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Auch hier musste ich darauf achten, dass die Streifen weiter laufen.

Bei den Herren wird der Unterkragen aus Filz gefertigt. Dadurch wird der Kragen sehr formstabil.

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Nach gefühlten 100 Stunden mit Schablonen bügeln und erkalten lassen – die Arbeit am Veston brauch seeeehr viel Geduld ;) – werden in einem nächsten Schritt die Ärmel gefertigt und eingesetzt.

Auch diese Arbeit fordert viel Geduld, denn die Weite der Armkugel muss von Hand mit winzig kleinen Stichen eingereiht werden.

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Die Ärmel werden mit Wollhaareinlage und einem Armfischli verstärkt.

Sind sie einmal eingesetzt und auch die Achselpolster an ihrem Platz, kann mit dem Futter begonnen werden.

Klassisch hat das Futter vier Innentaschen – drei links und eine rechts.

 

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Vor dem Einfüttern werden noch die Knopflöcher gestickt und der ganze Veston (so gut es geht) schön gebügelt.

 

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Nach 65 Stunden und 25 Minuten bin ich mit meinem ersten komplett selbst geschneiderten Veston doch ganz zufrieden. :)

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